Mjam – Der Delivery (Anti)Hero?

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Mjam – Der Delivery (Anti)Hero?

Wie vor allem während Corona-Krise besonders viel bei Mjam bestellt wird und warum es vielleicht gar nicht so gut für die Lokale ist.


Mjam – ein Lieferunternehmen, das innerhalb kürzester Zeit seine Konkurrenz von den Straßen verschwinden ließ und jetzt mehr oder weniger alleine den österreichischen Markt dominiert. Viele Argumente sprechen zunächst für den Lieferdienst, aber es lohnt sich, einen genaueren Blick auf das Unternehmen zu werfen um zu verstehen, wie es so groß werden konnte und warum es vielleicht doch auch den ein oder anderen fragwürdigen Aspekt hat, der auch die größten Fans nachdenklich stimmen dürfte.

Delivery Hero

Jede/r WienerIn und GrazerIn weiß mittlerweile was „Mjam“ ist und nicht wenige haben auch schon mal bei diesem Lieferservice bestellt, denn die sogenannten „Rider“, wie die FahrradfahrerInnen vom eigenen Arbeitgeber betitelt werden, prägen längst das Straßenbild dieser österreichischen Städte. Aber was genau ist Mjam für ein Unternehmen?

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Der Lieferservice gehört zum Großunternehmen „Delivery Hero“, welches unter anderem die Lieferkette „Foodora“ oder „Foodpanda“ aufgekauft hat. Als deutsches Unternehmen ist der Firmensitz in Berlin. Weltweit erfolgen beim Großunternehmen monatlich ca. 13 Mio. Bestellungen und das in über 40 Ländern, wobei die Tendenz steigend ist. Laut eigenen Angaben erhält das österreichische Unternehmen übrigens mehr als tausend Bestellungen in Österreich pro Minute!

Mjam - Der Delivery (Anti)Hero? 1
© Pexels

Die einzelnen Lieferserviceketten von Delivery Hero wie beispielsweise Mjam liefern Essen aus, das (meist mit dem Fahrrad) vom Lokal direkt zu den KundInnen gebracht wird. Dafür, dass der Lieferservice für die Lokale auf den Seiten wirbt und natürlich die Lieferungen für die Lokale macht, erhalten sie einen Prozentsatz der Lieferung plus einen Mitgliedsbeitrag der Lokale.

Was sind die Vorteile von Mjam?

Durch die rund um die Uhr verfügbare Dienstleistung wird es den KundInnen sehr einfach und bequem gemacht, denn diese bekommen ihr Essen nach Wahl direkt nach Hause geliefert und müssen dafür nicht mehr zahlen als vor Ort. Auch gelten die Lieferungen als sehr umweltfreundlich, da sie größtenteils mit dem Fahrrad gebracht werden. Des Weiteren darf natürlich auch nicht außer Acht gelassen werden, dass das Lieferunternehmen (gerade in Corona-Zeiten) viele Jobs schafft, vor allem für Menschen mit geringer Ausbildung, denn Delivery Hero hat um die 21.000 MitarbeiterInnen und ist daher ein wichtiger Arbeitgeber. Zusätzlich bekommen die RestaurantbetreiberInnen Werbung für ihre Lokale, da diese eben von Mjam auf deren Internetseite vorgeschlagen werden.

Wo ist denn jetzt der Haken?

Dadurch, dass Delivery Hero über enormes Kapital verfügt, können sie über lange Sicht hinweg die Konkurrenz aufkaufen oder mit günstigeren Preisen unterbieten. Dadurch ist kein fairer Wettbewerb mehr gegeben und Delivery Hero erhält das Monopol auf die Essenslieferungen. Das führt dazu, dass das Großunternehmen alleine darüber bestimmen kann, wieviel die Restaurants abgeben müssen, ohne dass diesen eine andere Wahl bleibt als zu zahlen. Im Fall von Mjam sind das bereits um die 30% des Bestellwertes, den die Lokalbetreiber an den Lieferservice abgeben müssen. Zusätzlich müssen diese noch monatlich einen Mitgliedsbeitrag sowie Einrichtungs- und Softwaregebühren zahlen.

 Vor allem kleine Lokale trifft das sehr hart, denn diese können sich das oft nicht leisten, bleiben aber sonst nicht mehr mit den restlichen Restaurants konkurrenzfähig.

Aber nicht nur die KundInnen von Mjam beziehungsweise von Delivery Hero (und mit KundInnen sind die bei Mjam angemeldeten LokalbesitzerInnen gemeint) leiden unter der Monopolstellung von Mjam, auch für die Angestellten, den „Ridern“, könnte mit Sicherheit vieles zu ihren Gunsten verändert werden. Denn neben den Restaurants sind sie es, die die absurd günstigen Lieferpreise zu spüren bekommen. Circa vier Euro pro Auftrag beträgt das Salar eines/einer LieferfahrerIn (die tatsächliche Summe lässt sich durch die Route und die Bestellung berechnen, man kommt so meistens auf um die vier Euro). Durch einen freien Dienstvertrag fallen auch Recht auf Urlaub sowie Versicherung oder gar ein dreizehntes und vierzehntes Monatsgehalt weg. Außerdem müssen Mjam-Fahrer anstehende Fahrrad- und Handyreparaturen und -kosten selbst übernehmen. 

Lieferservice in der Zukunft

Um die finanzielle Zukunft

Wissenswert
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müssen AnteilhaberInnen von Delivery Hero sich auf jeden Fall keine Sorgen machen, denn laut einer Prognose der Schweizer Großbank „UBS“ wird das globale Liefergeschäft bis 2030 um satte 20% wachsen. Allerdings ist fraglich, wie lange Mjam in Österreich die Vormachtstellung genießt, denn auch Unternehmen wie Uber oder Amazon beginnen, in diesen Markt zu investieren. Sicher ist aber dennoch, dass Mjam wohl noch wachsen wird und bis auf weiteres die Wiener und Grazer Straßen mit grünen FahrradfahrerInnen mit Riesen-Rucksäcken füllen wird.

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